Ein ehrlicher Blick auf das Elternsein: lasst uns darüber sprechen!
Vor Wochen hatte ich diesen Beitrag geplant. Doch ich hatte schlichtweg keine Kraft dafür, der Inhalt zu emotional und ich zu erschöpft! Und genau deswegen möchte ich mit Dir über dieses Thema sprechen! Denn vielleicht geht es dir wie mir?
Denn als Mutter erlebe ich häufig das Gefühl des Versagens. Es fühlt sich an, als wäre ich nie genug und als wäre der letzte Funken meiner Selbst in mir erloschen. Der ständige Druck, immer für alles und jeden in meiner Familie da zu sein – ohne Pause, ohne Fehler – begleitet mich täglich. Ich bin Ansprechpartnerin für jede Frage, jede Sorge und jedes Problem – rund um die Uhr!
Aber was ist mit mir? Denn auch ich habe eigene Bedürfnisse und Wünsche. Diese bleiben jedoch unter der Last des Alltags oft auf der Strecke. Und der Versuch, diesem Balanceakt standzuhalten, ohne emotional zu werden, gelingt mir leider nicht immer. So passiert es an manchen Tagen, dass ich schlichtweg explodiere, laut werde und vereinzelt auch Brotscheiben oder Stifte durch die Luft fliegen, einfach nur weil mir alles zu viel wird!
Verstärkt wird dieses Gefühl von dem Gefühl, mit dieser Erschöpfung allein zu sein. Bei anderen wirkt oft alles wie „heiter Sonnenschein“. Doch gerade dieser Eindruck macht es mir noch schwerer, mit meinem eigenen Stolpern umzugehen. Ich sehe das vermeintlich perfekte, harmonische “Familienbild” und was bleibt, ist das Gefühl, dass es bei allen anderen „besser“ läuft als bei mir…
Geht es dir genauso, aber Du traust dich nicht darüber zu sprechen?
Schämst Du dich vielleicht sogar für dein Verhalten oder deine Gedanken in solchen Momenten?
Oder fragst Du dich, warum “Familie” nur dir so schwer zu fallen scheint, wo es andere Mütter doch scheinbar mühelos schaffen – trotz Arbeit, Sport und Selbstverwirklichung?
Diese Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen als Mutter können tief und schmerzhaft sein. Dann schaue ich mich nicht selten um und sehe Mütter, die nach außen hin alles im Griff zu haben scheinen, immer lächeln und immer souverän wirken. Mein Bild, welches in meinem Kopf entsteht, vermittelt mir, dass es bei allen anderen „rund läuft“, dass alle anderen stärker sind als ich und NUR ICH zu versagen scheine.
Aber ist das wirklich so?
Die unsichtbare Mauer zwischen uns Eltern
Ich glaube, dass wir als Eltern oft durch eine unsichtbare Mauer voneinander getrennt sind. Jeder sieht nur die guten Seiten der anderen, und niemand wagt es, das eigene Straucheln innerhalb der eigenen Familie zu zeigen. Dabei weiß ich längst: Auch anderen geht es wie mir! Immer wieder höre ich im Gespräch mit anderen Müttern und Eltern, dass sie ebenfalls täglich kämpfen, zweifeln und an ihre Grenzen kommen.
Doch warum sprechen wir nicht darüber?
Es ist fast, als hätten wir Angst, unser wahres Ich zu zeigen. Als wäre es ein Makel, zuzugeben, dass wir Hilfe brauchen, dass wir an manchen Tagen überfordert sind. Dabei sollte genau das der Anfang eines ehrlichen Austauschs sein – ein Moment, in dem wir uns gegenseitig die Erlaubnis geben, so zu sein, wie wir wirklich sind: manchmal stark, manchmal verzweifelt, oft erschöpft und immer auf der Suche nach unserem eigenen Weg.
Warum Offenheit über unsere Schwächen kein Versagen ist
Wir leben in einer Gesellschaft, die scheinbar keine Fehler akzeptiert, besonders nicht, wenn es um das Elternsein geht. Ständig bekommen wir in den sozialen Medien vor Augen geführt, wie wir es vermeintlich “richtig zu machen“ haben. Schlagzeilen wie “Wenn du diese 3 Dinge zu deinen Kindern sagst, ist eure Beziehung für immer gestört” verurteilen schonungslos unsere Erziehung und schüren Ängste, als Mutter oder Vater zu versagen.
Doch wer zeigt uns, dass es normal ist, zu stolpern? Dass es zum Leben und zur Erziehung unserer Kinder dazugehört, Fehler zu machen und daraus zu lernen?
Ich wünsche mir, dass wir Eltern endlich aufhören, immer nur die glänzende Seite des Alltags zu zeigen, und dass wir stattdessen ehrlich zu unseren Herausforderungen stehen.
Ich wünsche mir eine Kultur, in der wir Eltern, insbesondere wir Mütter, uns offen über das austauschen können, was uns überfordert – ohne Scham oder das Gefühl, zu versagen. Der ständige Druck, immer alles richtig machen zu müssen, belastet uns mehr, als wir oft zugeben möchten.
Ich wünsche mir, dass wir den Mut finden, über unsere Sorgen, unsere Unsicherheiten und unser Scheitern miteinander zu sprechen. Denn diese Offenheit ist kein Zeichen von Schwäche – im Gegenteil. Es braucht unglaubliche Stärke, sich verletzlich zu zeigen und die eigene Perfektion zur Seite zu legen.
Und es ist diese Stärke, die uns miteinander verbindet. Nur wenn wir den Mut haben, offen und ehrlich zu sein, können wir uns gegenseitig stützen und uns zeigen, dass wir nicht alleine sind. So entsteht ein Raum, in dem wir uns verstanden und getragen fühlen, ein Raum, in dem wir den Druck loslassen und zugeben können, dass wir manchmal schlicht überfordert sind.
Es gibt keine perfekte Erziehung, keine perfekten Eltern. Jeder von uns macht Fehler. Und das ist okay! Doch in einer Gesellschaft, die oft nur Erfolge und Perfektion in den Vordergrund stellt, gibt es wenig Raum für Schwächen oder Fehler. Dabei brauchen wir genau diesen Raum – um zu lernen, um uns gegenseitig zu unterstützen, und um zu verstehen, dass das Beste, was wir geben können, immer genug ist.
Ein Aufruf zu mehr Ehrlichkeit – für uns selbst und füreinander
Meine Botschaft an alle Mütter und Väter ist klar: Lasst uns die Mauer der Perfektion durchbrechen. Lasst uns aufhören, so zu tun, als würde alles mühelos funktionieren, und darüber sprechen, was uns belastet. Wenn wir den Mut finden, unsere eigenen Schwächen und Sorgen zu teilen, geben wir auch anderen die Erlaubnis, das Gleiche zu tun. Es ist an der Zeit, dass wir uns gegenseitig die Erlaubnis geben, unperfekt zu sein und unser wahres Selbst zu zeigen – mit all unseren Stärken und Schwächen. Dieser ehrliche Austausch kann ein Netz sein, das uns auffängt, wenn wir es brauchen, und uns zeigt, dass wir nicht alleine sind.
Wenn wir uns öffnen, können wir uns gegenseitig stützen und den Druck abbauen, den wir uns oft selbst auferlegen. Jeder von uns hat Momente, in denen wir uns überfordert fühlen oder das Gefühl haben, zu scheitern. Doch diese Momente machen uns nicht zu schlechten Eltern. Sie machen uns menschlich. Sie zeigen, dass wir unser Bestes geben, auch wenn es gefühlt nicht immer reicht.
Und gerade dann, wenn wir das Gefühl haben, nicht gut genug zu sein, sollten wir uns daran erinnern, dass niemand perfekt ist und das auch nicht sein müssen. Die ständige Belehrung, wie wir „richtig“ erziehen sollen, schafft nur das Gefühl, dass wir es bislang falsch gemacht haben. Das Leben mit Kindern ist sicherlich wunderschön aber auch extrem fordernd zugleich. Und auch wenn wir Fehler machen – das gehört dazu, lasst uns daraus lernen. Wir sind alle auf diesem Weg und wir alle lernen ständig dazu!
Mein eigener Weg zu mehr Ehrlichkeit
In meinen Coachings gehe ich diesen Schritt zur Offenheit bewusst voran. Ich teile meine eigenen Erlebnisse und mein Straucheln als Mutter, Ehefrau und Mensch. Diese Ehrlichkeit ist für mich der erste Schritt in Richtung eines echten Austauschs, der über Perfektion hinausgeht. Indem wir offen über Herausforderungen und Schwächen sprechen, schaffen wir einen Raum für echte Verbundenheit und gegenseitige Stärkung.
Aber auch in meinem privaten Umfeld gehe ich offen und ehrlich mit meiner Erschöpfung, fliegenden Brotscheiben oder auch mit meiner eigenen Therapie um. Dies hat dazu geführt, dass Menschen in meinem Umfeld ebenfalls den Vorhang fallen lassen und sich mir anvertrauen. Diese positiven Reaktionen zeigen mir, wie dringend notwendig es ist, ehrlich über die Herausforderungen des Lebens und des Elternseins zu sprechen. Vor allem lerne ich aber auch: Ich bin nicht allein! Denn viele von uns kämpfen mit denselben Themen und wir wissen es gar nicht voneinander, weil wir uns hinter einer Fassade des Alles-gut-Seins verstecken.
FAZIT
Lassen wir uns gegenseitig den Raum, ehrlich zu sein. Seien wir mutig genug, unsere Schwächen zu zeigen und miteinander zu sprechen. Nur so können wir eine Gemeinschaft schaffen, die nicht durch Perfektion zusammengehalten wird, sondern durch Verständnis, Mitgefühl und die Bereitschaft, füreinander da zu sein. Wir sind alle in diesem Elternsein gemeinsam unterwegs. Nehmen wir uns selbst den Druck, erlauben wir uns einfach wir selbst zu sein und geben wir uns gegenseitig das Gefühl, dass es in Ordnung ist, nur unser Bestes zu geben. Denn das ist Genug!
Magdalena Ochs
