Vorschule für Eltern: 4 Tipps für einen gelassenen Start in die Schulzeit
Der Übergang vom Kindergarten in die Schule ist eine aufregende Zeit – sowohl für unsere Kinder als auch für uns Eltern. Dabei ist es völlig normal, dass bereits Monate vor der Einschulung auf beiden Seiten Sorgen und/oder Unsicherheiten entstehen können. Umso wichtiger ist es bereits in dieser frühen Phase, betroffene Eltern und deren Vorschulkinder auf diese große Veränderung vorzubereiten!
Aber ist es dafür nicht zu früh? Und können Eltern bereits in der Vorschule Einfluss auf die spätere Schulzeit ihrer Kinder nehmen?
JA, sogar mehr als man zunächst glaubt! Hier sind 4 wertvolle Tipps, um den Übergang zur Schule ohne Stress und Druck zu erleben:
1. Keinen Druck aufbauen. Erwartungen runterschrauben.
Es ist verlockend, Aussagen wie „Jetzt bist Du bald kein kleines Kind mehr“, „Das darfst Du dir in der Schule aber nicht erlauben“ oder „Bald geht der Ernst des Lebens los“ zu nutzen, um unsere Kinder auf die Schulzeit vorzubereiten. Vor allem dann, wenn etwas nicht so gut klappt wie es sollte oder auch wenn unsere Kinder, die vermeintlich erst gestern ihren ersten Tag im Kindergarten erlebt haben, plötzlich beim Kauf ihrer Büchertasche im Geschäft vor uns stehen und wir realisieren, dass der gesamten Familie eine große Veränderung bevorsteht. Dabei meinen wir Eltern es doch nur gut – so haben wir diese Sätze selbst abermals von unseren Eltern gehört und sie gehen uns so leicht über die Lippen.
Doch genau solche Sätze können unnötigen Druck und Erwartungen bei unseren Kindern (aber auch uns Eltern) aufbauen. Die Kinder könnten das Gefühl bekommen, dass sie bald perfekte kleine „Schüler“ sein müssen, damit sie von Ihren Eltern geliebt und den Lehrern gemocht werden. Aussagen wie „Du bist bald Schulkind!“ können zudem eine große Last werden, die zu hohen Erwartungen führt – bei euch und eurem Kind. Es ist also völlig in Ordnung, wenn dein Kind noch nicht lesen, viel mehr als seinen Namen schreiben oder ruhig am Tisch sitzen kann, bevor es in die Schule kommt. Die Schule ist dafür da, all das zu lernen! Und dieses Lernen ist ein Prozess, der bei jedem Kind ganz individuell abläuft.
Dazu ein kleiner Exkurs: Wir wissen bereits aus den ersten Lebensjahren unserer Kinder, dass Zwang und Druck zu keinem Erfolg führen. Denn niemand von uns hat sein 3-Monate altes Baby zum „Sitzen- oder Laufenlernen“ hingesetzt und hingestellt und gesagt „Bleib sitzen! Lauf los! Du bist immerhin kein Neugeborenes mehr.“ Lernen braucht Zeit – warumalso gewähren wir unseren Kindern diese nur in den ersten Lebensjahren und hören irgendwann damit auf?
2. Vorbereitung auf die Schule – aber richtig!
Natürlich ist es sinnvoll und wichtig, Kinder auf die Schule vorzubereiten. Dafür gibt es in der heutigen Zeit glücklicherweise eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie z.B. Vorschulblöcke und Apps mit Schwungübungen, Logikrätseln oder auch Spiele zum Erlernen von Zahlen und Buchstaben. Aber auch die Vorschule selbst im Kindergarten ist hier ein wichtiger Baustein, Kinder an das Thema „Schule“ heranzuführen.
Und auch hier gilt: Kein Zwang, sondern einfühlsame Begleitung. Achtet auf sogenannte Lernfenster, d.h. Zeitpunkte im Alltag, in denen eure Kinder aus eigener Motivation heraus und mit Interesse Buchstaben, Zahlen oder Formen entdecken – sei es beim Vorlesen, Lego-Bauen oder auch Basteln. Nutzt diese und geht mit euren Kindern darauf ein. Kinder lernen nachweislich mehr aus eigenem Antrieb und Forschungsdrang als wenn sie von Außen zum Lernen „gedrängt“ werden.
Fragt eure Kinder zudem nach ihren Ängsten oder Unsicherheiten. Vielleicht haben sie Angst vor der fremden Umgebung und dem großen, unbekannten Gebäude oder auch Bedenken wegen des Schulwegs? In diesem Fall könnt ihr die Schule bei einem Sonntagsspaziergang erforschen oder den Schulweg gemeinsam abgehen und die Umgebung erkunden. Wichtig ist dabei, dass eure Kinder spüren, dass ihre Gefühle von ihren Eltern ernst genommen werden. Dazu gehören auch Ängste und Sorgen! Und durch offene Gespräche könnt ihr viel dazu beitragen, dass euer Kind sich sicher und gut vorbereitet fühlt.
3. Eigene Schulerfahrungen hinterfragen.
Oftmals übertragen wir unbewusst unsere eigenen Schulerfahrungen auf unsere Kinder. Daher solltest Du dich fragen: Wie war deine eigene Schulzeit? Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Bist Du gerne in die Schule gegangen? Welche Erwartungen hatten deine Eltern an dich? Was hat dir gefehlt bzw. was hättest du dir von deinen Eltern gewünscht?
Es ist wichtig, diese Erfahrungen zu reflektieren, um nicht die eigenen Ängste oder Erfahrungen auf dein Kind zu projizieren. Eltern, die ihre Schulzeit als stressig oder negativ erlebt haben, können dazu neigen, ihre Kinder übermäßig zu schützen oder sie mit übertriebenem Ehrgeiz zu konfrontieren. Andere Eltern, die selbst einen hohen Leistungsdruck erlebt haben und das Gefühl von Liebe und Stolz eng verknüpft mit ihren schulischen Leistungen war, können von der Angst getrieben sein, dass auch ihre eigenen Kinder nur bei schulischem Erfolg zu einem glücklichen Leben kommen. Hier stecken tief verwurzelte Glaubenssätze in vielen von uns, die es zu entdecken und aufzulösen gilt.
Sei dir daher bewusst, dass es oft die Erfahrungen und Sorgen von uns Eltern sind, die Druck aufbauen. Lass los und akzeptiere, dass die Schulzeit deines Kindes seine ganz eigene Reise ist. Es geht darum, deinem Kind den Raum zu geben, sich selbst zu entdecken und seinen eigenen Weg zu gehen – unterstützt es dabei liebevoll!
4. Die Kindergartenzeit bewusst genießen.
Zuletzt solltest Du mit deinem Kind die verbleibende Kindergartenzeit geniessen. Denn NOCH ist dein Kind KEIN Schulkind!
Kinder dürfen in diesem Lebensabschnitt noch sehr viel Freiraum haben und sollen die Welt spielerisch entdecken. Anstatt also den Fokus auf die kommende Schulzeit zu legen, nutzt diese wertvolle Zeit für gemeinsame Erlebnisse und Momente. Ganz ohne den Druck, etwas „leisten“ zu müssen. Genießt das Hier und Jetzt, denn die Kindergartenzeit ist einmalig!
FAZIT
Der Übergang in die Schule ist ein spannender Meilenstein, den Ihr bewusst gestalten könnt. Ohne Druck und mit viel Einfühlungsvermögen könnt ihr eure Kinder stark und selbstbewusst auf diesen neuen Lebensabschnitt vorbereiten. Indem ihr eure eigenen Erfahrungen reflektiert und eure Kinder behutsam begleitet, schafft ihr eine solide Basis für einen gelungenen Schulstart.
Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Schulzeit zu einer positiven Erfahrung für die gesamte Familie wird. Ich hoffe, diese Tipps helfen euch dabei!
Magdalena Ochs
